In seiner kurzen Ansprache kündigte Schulleiter Stefan Sturm den Schülerinnen und Schülern der gesamten Oberstufe in zwei aufeinanderfolgenden Veranstaltungen einen interessanten Gesprächspartner an und begrüßte daraufhin Brigadegeneral a. D. Armin Staigis, der von weit her angereist war.

Armin Staigis blickt auf eine jahrzehntelange Laufbahn in der Bundeswehr und in der internationalen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zurück. Geboren 1950 in Schleswig-Holstein, trat er 1970 als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr ein und übernahm früh Führungsaufgaben, unter anderem als Kompaniechef und Bataillonskommandeur. Nach einer Generalstabsausbildung war er in zentralen militärpolitischen Funktionen tätig – im Bundesministerium der Verteidigung, im Bundeskanzleramt sowie bei NATO und EU. Auslandseinsätze und -verwendungen, etwa als Verteidigungsattaché in London und als Kommandeur des deutschen SFOR-Kontingents in Bosnien-Herzegowina, prägten seine praktische Erfahrung. Nach seiner aktiven Dienstzeit engagiert sich Staigis weiterhin ehrenamtlich in der Sicherheits- und Bildungsarbeit, unter anderem bei der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und in zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Er wolle keine Werbeveranstaltung für die Streitkräfte machen, sondern mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen, so begann Armin Staigis das Gespräch. Es folgten einige Informationen zu seiner Person und seinem beruflichen Werdegang, bevor es in medias res ging und Staigis eine erste Bestandsaufnahme vornahm:

„Sie wissen, in welcher Welt wir momentan leben und dass sich da etwas gravierend geändert hat in den letzten Jahren. Wir sind nach 1945 in der Lage gewesen, zunächst im sog. Westen, eine regelbasierte Weltordnung aufzubauen und uns nach Regeln zu verhalten. Aber diese Weltordnung droht völlig zu zerbröseln. Heute haben wir leider wieder eine Situation, in der wir erneut von – Großmachtpolitik sprechen müssen, orientiert eher an Denkmustern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, und darin liegen die Gefahren. Diese Großmächte sind  Russland, China, die USA, Indien und regionale Mächte wie die Türkei, Brasilien, Argentinien oder der Iran oder Saudi-Arabien.

Diese Veränderung ist nicht plötzlich über uns gekommen, sondern nahm ihren Anfang schon in den 90er Jahren und ist besonders in diesem Jahrhundert schon früh deutlich geworden.“

Der Gast hatte folgende vier Überlegungen im Gepäck – ausgehend von den politischen Rahmenbedingungen, unter denen wir uns momentan befinden:

  1. Nie wieder sollten wir in diese Abhängigkeiten kommen, in die wir uns – auch aus Bequemlichkeit -begeben haben. Von uns „outgesourct“ in andere Länder wurden die Sicherheit, die Energieversorgung, der Wohlstand und die ökonomische Entwicklung sowie die technologische Entwicklung, wodurch wir uns massiv in diesen Bereichen erpressbar gemacht haben.
  1. Wir sollten in die Welt schauen und Autokraten und Diktatoren – besonders die mit missionarischem Charakter – frühzeitig erkennen. (z. B. Putin, Xi Jinping, Trump)
  1. „Wir haben uns sicherheitspolitisch, wie auch militärisch, blank gemacht, weil wir an den „ewigen Frieden“ nach Kant geglaubt haben.“ Stellt der Vortragende fest. Das Militärische sei dabei nur ein Aspekt… genauso wie die zivilen Aspekte von Sicherheit. „Ich meine die mentale Einstellung zu dem, was die Verteidigung eines Landes ausmacht, in dem breiten Sinne von Sicherheitspolitik, von Diplomatie bis hin zu Zivilschutz“, führt er seinen Gedankengang weiter. Zur Veranschaulichung zieht Staigis dann noch mit der Feuerwehr einen Vergleich aus der Lebenswelt der Jugendlichen heran: Eine Gemeinde schaffe seine Feuerwehr ja nicht ab, nur weil es 10 Jahre lang nicht mehr gebrannt hat. Nein, man modernisiere sie sogar.
  1. Geklärt werden müsse auch die Frage, was wir denn da eigentlich verteidigen. Für diese freie, demokratisch verfasste Lebensordnung (Freiheit, Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Menschenwürde) müsse jeder einzelne von uns eintreten. Wer dies nicht tut, werde die Quittung dafür bekommen, stellt Armin Staigis unbeschönigt fest. Der Hinweis auf Selenski, der 2025 auf der Münchner Sicherheitskonferenz an die Europäer gerichtet fragte: „Von wem wollt ihr regiert werden? – Es gibt zwei Optionen: Dieses Europa kann aus Moskau regiert werden oder dieses Europa kann aus Brüssel regiert werden. – Ich bin für Brüssel und ich denke, das solltet ihr auch.“, regte die Anwesenden zum Nachdenken an.

Auf diesen Impuls hin übernahmen die beiden Moderatorenteams aus der Schülerschaft in den beiden Veranstaltungen jeweils die Leitung des Gesprächs und stellten Fragen, die in den Politikkursen im Vorfeld zusammengetragen wurden. Armin Staigis nahm zu allen Fragen Stellung. Ob es darum ging, ob er denke, dass eine europäische Armee nötig sein werde oder ob es zu einem neuen Wettrüsten, nach dem Auslaufen des Atomwaffenvertrags „New Start“, kommen werde.

In dem Gespräch ging es u. a. auch um den „Grönland-Fall“, wobei Armin Staigis darauf hinwies, dass es ein gewisses Grundvertrauen unter den politischen Akteuren brauche und, dass das Verhalten der USA bezogen auf Grönland jetzt bereits das Grundvertrauen im transatlantischen Verhältnis zerstört habe.

Aber es ging natürlich auch um die Bundeswehr, insbesondere um technische Neuerung und natürlich die Wehrpflicht. Mehrfacht wurde von Armin Staigis betont, dass es ja nicht das Ziel sei, einen Krieg zu führen, sondern den Frieden zu erhalten. Ohne Wehrdienst glaubt Armin Staigis, sei dies wohl nicht zu schaffen. Und er vermutet, dass wir wieder zu einem Pflichtdienst werden kommen müssen, da wir heute in einer anderen politischen Lage sein, als zur Zeit der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011. Auf die Frage: „Wird es Alternativen zur Wehrpflicht geben?“ äußert Armin Staigis den Wunsch nach einer „Allgemeinen Dienstpflicht“, denn diese würde uns in vielen gesellschaftlichen Bereichen helfen wie in der Altenpflege, im Katastrophenschutz etc. Armin Staigis spricht seinem jungen Publikum zu, dass das für sie unangenehm sei, weist darüber hinaus aber auch darauf hin, dass alle älteren Bürger dieser Pflicht auch nachgekommen sein. Außerdem beurteilten die meisten rückblickend, dass sie die Zeit im Zivil- oder Wehrdienst in ihrer Entwicklung persönlich voran gebracht hätte. Eine Erkenntnis gab es noch zu diesem Thema: Das Grundgesetz sei der Auslöser dafür, dass nur die Männer, den zugesandten Fragebogen ausfüllen müssen, denn dort in Art. 12a sei nur die Rede davon, dass Männer zum Dienst in den Streitkräften […] verpflichtet werden können. Eine Änderung des Artikels gab es bislang noch nicht.

Abschließend stellt Armin Staigis fest: „Nun haben wir hier heute wieder einmal nur Negativpunkte betrachtet“ und bittet, nicht die Veranstaltung hängenden Kopfes zu verlassen, sondern Kraft aus dieser freiheitlichen Ordnung zu schöpfen, die unglaublich wichtig zu erhalten und zu verteidigen sei. Wir sollten uns auch nicht kleiner machen, als wir sind, so Armin Staigis weiter. Final forderte er „Sie sind die Generation (ich werde helfen, so gut ich es noch kann), die das umsetzen muss. Und darum würde ich Sie gerne bitten.“