Eine Woche lang haben 18 deutsche Schülerinnen und Schüler aus Mühlheim am Main ihre “corres” in Saint-Priest besucht. Emotional war der Abschied, als sie nun zurück nach Deutschland fuhren. Aus manchen Austauschpartnern sind Freunde geworden.
Erst im Dezember waren die jungen Franzosen vom Collège Boris Vian und Lycée Condorcet zu Gast im Friedrich-Ebert-Gymnasium und der gleichnamigen Realschule in Mühlheim. Der Austausch besteht schon seit mehreren Jahrzehnten.
Diesmal entdeckten die deutschen Schülerinnen und Schüler in Saint-Priest nicht nur, wie der Alltag in französischen Schulen aussieht. Sie lernten auch, wie man in Frankreich Boules spielt, und kamen sich bei einem Theater-Workshop spielerisch näher. Bei einem Kochkurs backten sie Windbeutel und Käse-Gougères, zu denen eine Spezialität mit zweifelhaftem Namen serviert wurde: “Cervelle de Canut”, übersetzt “Hirn vom Seidenweber”. Ein Frischkäse, der mit Zwiebeln und Kräutern verfeinert wird, und aus Lyon stammt, der früheren Hochburg der Seidenweberei.
Dass auch Goethes Vorfahren hier in diesem Gewerbe zu Reichtum kamen, erfuhren die Schülerinnen und Schüler auf einer Stadttour durch die Altstadt.
Die gemeinsame Geschichte der einstigen Erzfeinde und heutigen Partner Frankreich und Deutschland kann über Jahrhunderte zurückverfolgt werden, ihre gemeinsame Zukunft wurde beim Elysée-Vertrag besiegelt. Dass auch die Partnerstädte Mühlheim und Saint-Priest eng verbunden sind, ist den engagierten Komitees der Städtepartnerschaft zu verdanken.
Zum Ausdruck kam dies bei einer symbolischen Heirat im Rathaus von St-Priest, als sich ein Schüler aus Mühlheim und eine junge Französin aus St-Priest sinnbildlich das “Ja”-Wort gaben. Groß gefeiert wird dann im Juni, wenn beide Städte den 60. Geburtstag ihrer deutsch-französischen Freundschaft begehen.