Seit nunmehr 30 Jahren findet in Zusammenarbeit mit der Jungendpflege am Mühlheimer Friedrich-Ebert-Gymnasium das Auschwitz-Projekt statt. Auch in diesem Jahr luden die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 Interessierte ein, sich die entstandenen Präsentationen zur Auseinandersetzung mit den im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau verübten Gräueltaten der Nationalsozialisten anzusehen.
Eine geradezu beklemmende Ruhe machte sich am späten Vormittag bei der Präsentation vor dem Publikum, bestehend aus den Mitschülerinnen und Mitschülern der E-Phase sowie einigen Lehrkräften, im Gemeindesaal des Pfarrheims St. Sebastian breit.
In unterschiedlichen Einzelpräsentationen verarbeiteten die Darstellenden ihre Eindrücke auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Da wurden z. B. einige Namen von Opfern des Nationalsozialismus vorgetragen und errechnet, wie lange man bräuchte, um alle Namen der Opfer ununterbrochen zu verlesen: 70 Tage. Über 17 Millionen Menschen, davon waren alleine 1,1 Millionen in Auschwitz/Birkenau. Stellvertretend wurden zwei persönliche Geschichten von überlebenden Insassen vorgestellt, ergänzt von originalem Ton- und Bildmaterial. Einer der vortragenden Schülerinnen ging das Schicksal einer Insassin noch immer so nahe, dass man es ihrer Stimme beim Vortrag merklich anhören konnte. Der Frau wurde die gesamte Familie im Lager genommen. Sie überlebte zwar, konnte aber selbst anschließend keine eigene Familie mehr gründen – eine Folge der fehlenden medizinischen Versorgung im Lager.
Eine der Gruppen lud das Publikum zu einer Talkshow namens „Darf man das?“ ein. Hier begaben sich die Schülerinnen und Schüler in die Rolle verschiedener Gesprächsteilnehmer wie z. B. Moderator, Schauspielerin, Regisseur, Historiker und setzten sich mit der Frage „Wieviel Fiktion verträgt Auschwitz?“ auseinander. Fazit des Austausches war, dass Filme wie „Hunters“ oder „The Boxer“ zwar viele Menschen erreichen und so die Aufmerksamkeit schaffen und Geschichte zugänglich machen. Andererseits besteht aber auch immer die Gefahr der Verharmlosung und Vereinfachung. Damit liegt die Verantwortung auch bei den Zuschauern. Das bedeutet, immer kritisch zu bleiben und zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden.“
Andere Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich mit der Lektüre eines Buches oder der Interpretation eines Bildes. Wieder andere erstellten auf TikTok einen Fake Account und wollten sehen, wie schnell sie damit antisemitische Reaktionen bekommen würden. Nach gerade mal 30 min kamen die ersten antisemitischen Kommentare. Hier stellte sich den Schülern natürlich auch die Frage, warum solche Inhalte nicht von Plattformen wie TikTok gelöscht würden. Dies liege auch an digitalen Codes, erklärten die Schülerinnen, welche die Äußerungen so verschlüsseln, dass Algorithmen, die antisemitische Inhalte löschen sollen, sie schlichtweg nicht als solche erkennen. Dazu bediene man sich auch bestimmter Emojis.
Auch der Einsatz von KI wurde kritisch beleuchtet am Beispiel einer KI-generierten Selbstdarstellung des Lagerarztes Josef Mengele. Durch die digitale Inszenierung kam es hier zu einer Verzerrung der historischen Fakten. „Wenn KI historischen Figuren durch Deep Fakes neue Worte in den Mund legt, stellt sich eine Frage: Kontrollieren wir die Vergangenheit oder uns selbst, wenn wir sie neu sprechen lassen? Unser Fazit: KI kann Geschichte sichtbar machen, aber sie darf sie nicht neu erfinden.“
Sehr bewegt und nachdenklich traten viele der Zuschauenden schließlich ihren Heimweg an. Am Abend fand noch eine weitere Präsentation für Eltern, Lehrkräfte und andere Interessierte statt.


