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FEG Mühlheim am Main

Großes Interesse an Film zu den Ursachen von Migration lockte viele Zuschauer in die Kulturfabrik Schanz

Im Rahmen der Interkulturellen Wochen holte das Friedrich-Ebert-Gymnasium den Dokumentarfilm „Yves´ Versprechen. Oder warum es kein Zurück gibt.“ und seine Regisseurin Melanie Gärtner nach Mühlheim in die Kulturfabrik Schanz.

 

Vor acht Jahren ist Yves in Kamerun aufgebrochen, um in Europa ein neues Leben zu beginnen. Bei seinem ersten Versuch wird er abgeschoben. Ohne sich eine Verschnaufpause zu gönnen, unternimmt er sofort einen zweiten Versuch, nach Europa zu gelangen. Doch danach sitzt er in Spanien fest. Für ihn geht es weder vorwärts noch rückwärts. Seitdem hat die Familie nichts mehr von ihm gehört. Halt- und perspektivlos sucht Yves in Spanien nach seinem Platz im sozialen Gefüge, lebt bei NGOs oder schläft unter einer Brücke – immer auf der Hut vor der Polizei: Wird er erwischt, droht ihm erneut die Abschiebung nach Kamerun.

 

Ursprünglich interessierte sich die Regisseurin Melanie Gärtner (s. Foto li.) für die ökonomischen Fluchtursachen, aber während der Dreharbeiten rückten dann immer mehr die Erwartungen an Yves vonseiten der Familie in den Fokus. War er doch das einzige Kind der Familie, dass eine vorzeigbare Schullaufbahn vorzuweisen hatte. Die passionierte Filmemacherin nahm Videobotschaften von Yves auf, reiste mit ihnen nach Kamerun und traf dort seine Familie. Doch bei aller Erleichterung über das Lebenszeichen von Yves wurden etliche Erwartungen an ihn artikuliert, schließlich hatte Yves es ins „gelobte Europa“ geschafft. Dies bringt Melanie Gärtner auch in ihrem Filmtitel als „Yves Versprechen.“ zum Ausdruck.

 

Im Anschluss an die Vorführung diskutierten Reinhard Badzura (s. Foto unten), der am FEG unter anderem Politik und Wirtschaft unterrichtete und Kamerun persönlich bereiste, mit der Regisseurin Melanie Gärtner über die Hintergründe des Dokumentarfilms und die Lebensrealität in Yves´ Heimatland Kamerun. Aber auch alle anderen Anwesenden waren dazu eingeladen, Fragen zu stellen. So interessierten sich die Zuschauer auch für Yves weiteres Schicksal. Frau Gärtner erzählte, dass er sich erfolglos bei der Fremdenlegion beworben hatte, wo er aus unterschiedlichen Gründen wie z. B. wegen fehlenden Schwimmvermögens abgewiesen wurde. Heute befinde sich Yves in Bilbao und arbeite dort u. a. als Kellner und sei immer noch „dran“ seine Versprechen einzulösen.

 

 

Auf die Frage, ob der Film Melanie Gärtner verändert habe, antwortet die Filmemacherin, dass sie jetzt mehr Verständnis dafür habe, dass sogar nach einer Abschiebung das Bedürfnis groß ist, die lebensgefährliche Flucht erneut zu wagen. Es war eine gelungene Veranstaltung des Friedrich-Ebert-Gymnasiums Mühlheim im Rahmen der SCHANZ-Reihe Filmclub in Kooperation mit dem Mühlheimer Buchladen und unterstützt von der Stabsstelle Gleichberechtigung, Integration, Prävention Mühlheim. Dass die Veranstaltung restlos ausverkauft war, spiegelt ein breites Interesse an der Thematik wider.

 

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