Schulkalender

FEG Mühlheim am Main

Schuljubiläum: 50 Jahre Friedrich-Ebert-Gymnasium

Das Friedrich-Ebert-Gymnasium feiert dieses Jahr sein fünfzigstes Jubiläum! Es gehört zu den Gymnasien, die in der Zeit der Bildungsoffensive in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts neu gegründet wurden. Die Chancen von Kindern auf eine qualifizierte Ausbildung sollten in der Bundesrepublik gerecht verteilt werden.

Vor allem in kleineren Städten sollten die Schüler ortsnahe Bildungsangebote nutzen können.

 

Der Ansatz „Jeder darf lernen“ wurde von der Stadt Mühlheim aufgenommen und mit dem Beschluss der Gründung eines Kreisgymnasiums 1961 parteiübergreifend beschlossen. Hervorzuhebende Initiatoren waren: Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Anton Dey (SPD), die Landräte Jakob Heil und Walter Schmitt (SPD), der Fraktionsvorsitzende der CDU in der Mühlheimer Stadtverordnetenversammlung Ignaz Goy, Kreistagsvorsitzender Hans Muntzke sowie der Rektor der Friedrich-Ebert-Schule Richard Krug. Soweit die Geschichte, die ausführlich in der Schulchronik dokumentiert und in der neugestalteten Homepage des FEG nachzulesen ist.

 

Das FEG, wie es in der Abkürzung und im neuen Schullogo auftritt, war und ist sich dieser Aufgabe bewusst und stellt sich den sich verändernden Anforderungen!

 

Schon 1966 machte das Gymnasium von sich reden, als dreizehnjährige Schüler ihren Lehrern ein Zeugnis, das die Lehrer bezüglich ihrer Fachmethodik, ihres Betragens und ihrer Ordnung benotete, ausstellten. Im Gegensatz zur damaligen allgemeinen Ansicht, betrachteten die jungen Lehrer, die in Mühlheim angetreten waren, die ganze Aktion positiv. Sahen sie sich doch zusammen mit den Schülern als Partner im Schulleben. Heute finden zwar auch „Beurteilungen“ statt, sie stehen aber in der Abizeitung und werden nicht immer einhellig begrüßt! Und in einem weiteren Punkt war das Friedrich-Ebert-Gymnasium seiner Zeit voraus. Es bot schon 1966 an den Nachmittagen von 13 bis 17 Uhr eine „Schule der offenen Tür“ an. Vielfältige Arbeitsgemeinschaften auf freiwilliger Basis sowie Hausaufgabenhilfe wurden von Lehrern bei offenen Klassentüren betreut! Die Tradition der Arbeitsgemeinschaften wird heute noch in vielen Bereichen fortgesetzt, wenn auch die großzügige Lehrerversorgung der frühen Jahre jetzt nicht mehr gegeben ist. Ebenso setzt der Nachmittagsunterricht, bedingt durch die Schulzeitverkürzung auf 12 Jahre, hier deutliche Grenzen. Neu war auch im Jahr 1970 die Einrichtung eines sozialwissenschaftlichen Schulzweigs, der auf Initiative der damaligen ersten Schulleiterin, Frau Oberstudiendirektorin Hauer, zusätzlich zum sprachlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen, eingerichtet wurde. Hier war die Schule wieder einmal Vorreiter im Kreis Offenbach! 1970 wurde dann schon der erste Abiturjahrgang verabschiedet.

 

1973 übernahm Herr Oberstudiendirektor Josef Richard Jeck die Leitung des Gymnasiums und prägte es bis zum Jahr 1998. Sein Stellvertreter und Nachfolger wurde Herr Oberstudiendirektor Jürgen Hegener, der entscheidende Impulse über seine Dienstzeit hinaus setzte.
Auch in der Schul- und Unterrichtsorganisation änderte sich mit den Jahren einiges. So wurden 1976 mit Einführung der neugestalteten gymnasialen Oberstufe die Klassenverbände aufgelöst, wählbare Grund- und Leistungskurse traten an ihre Stelle. Die alte Notenskala von 1-6 wurde nun durch das Punktesystem mit seiner erweiterten Differenzierung von 0-15 ersetzt! Eine weitere Änderung: 1980 entschied sich die Schule in Zusammenarbeit mit Schulelternbeirat und Schülervertretung für die Einführung der Fünf-Tage-Woche und nahm damit auch einen verstärkten Nachmittagsunterricht in Kauf. Und eine radikale Änderung gab es 2004. Hoch-Tief-PPP übernahm das Schulgebäudemanagement und verpflichtete sich zu einer Sanierung innerhalb von fünf Jahren. Und noch eine Neuerung gegenüber dem herkömmlichen Unterrichten: Als eine der ersten Schulen wagte das FEG 2010 den Schritt aus der Kreidezeit ins digitale Medienzeitalter mit der Einführung elektronischer Tafeln, sogenannter Smartboards.

 

Mit dem Jahr der Wiedervereinigung 1989 begann dann eine 25jährige Erfolgsgeschichte, auf die das FEG besonders stolz ist. Auf Initiative von Herrn Jürgen Batholomé wurde das Auschwitz-Projekt ins Leben gerufen, das er lange Jahre leitete und prägte. Zusammen mit der Bergschule in Apolda, Thüringen, wurden, auch im Sinne einer innerdeutschen Integration, Schülerfahrten nach Auschwitz durchgeführt, um eine gemeinsame Aufarbeitung deutscher Geschichte zu leisten. Das Auschwitzprojekt erhielt neben anderen Auszeichnungen 2001 einen Geldpreis des Landes Hessen für das soziale Engagement der Jugendlichen. 2005 wurde die Schule mit dem Bürgerpreis zur deutschen Einheit ausgezeichnet. Und 2009 erwähnt der damalige Bundespräsident Horst Köhler in seiner Rede zum Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, am 27. Januar, das Projekt. Das FEG gestaltet auch seit Jahren eine kleine Gedenkfeier zur Reichspogromnacht am Wachthäuschen am 9. November. Eine weitere Aktivität des FEG, über den unmittelbaren schulischen Rahmen hinaus, ist natürlich der jährliche Schüleraustausch mit der französischen Gemeinde St. Priest.

 

Obwohl das FEG das kleinste Gymnasium mit ca. 800 Schülern im Kreis Offenbach ist, ermöglicht es doch ein umfassendes Kursangebot für die Oberstufe und eine breite Palette von Wahlkursen, Projekten und Angeboten für die Mittelstufe. Und gerade seine Übersichtlichkeit und Wohnortnähe bietet den Schülern Sicherheit und optimale pädagogische Förderung. Neben der Qualität des Unterrichts, einer großen Schülernähe, verstärkt durch ein stark verjüngtes und engagiertes Lehrerkollegium, setzt das FEG auf die Bildung der Persönlichkeit. Im Sinne des Namensgebers Friedrich Ebert, des ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, legt die Schule Wert auf Demokratie, Gerechtigkeit und sozialen Ausgleich. Aufrichtigkeit, Toleranz und Verantwortung für die Gemeinschaft sind Grundwerte der Schulethik, des „ethischen Grundgesetzes“ des Friedrich-Ebert-Gymnasiums.

 

Und in diesem Sinne feierte und feiert das FEG sein Jubiläum. So fand am 7. März das „Große Ehemaligentreffen“ statt, das anlässlich des Jubiläums um musikalische und kulturelle Angebote erweitert wurde. Die frühere Big Band der Schule unterhielt die Gäste und die beiden letzten Schuldirektoren (Herr Jeck und Herr Hegener) plauderten im Rahmen eines Erzählcafés unter Leitung des heutigen Schulleiters Herrn Stefan Sturm über die vergangenen Jahrzehnte. Spät am Abend tauschten sich Schülervertreter mehrerer Generationen über Unterschiede und Gemeinsamkeiten schulischer Eindrücke aus.

 

Die akademische Feier war natürlich auf den 8. April, den Eröffnungstag des Friedrich-Ebert-Gymnasiums, gelegt worden. Landrat Oliver Quilling, Bürgermeister Daniel Tybussek und die Leitende Schulamtsdirektorin Susanne Meißner richteten Begrüßungsworte an die Gäste. Der Festredner des Abends, Professor Andreas Hackethal, FEG-Abiturient 1990, entwickelte aus den Eindrücken seiner Schulzeit die These, dass aus Zufall Plan werde. So hätten sich aus der zufälligen Zusammensetzung von Lerngruppen sowie dem Treffen auf Lehrer, Beziehungen und Notwendigkeiten ergeben, die den Rest des Lebens in bestimmte Richtungen lenkten. Dr. Irmscher vom Elternbeirat und auch ehemaliger Schüler, unterstrich die Menschlichkeit und persönliche Nähe am FEG. Frau Früchtl-Staab betonte die Unterstützung durch den seit 1993 bestehenden Förderverein. Das High-Light des Abends war aber die lockere Ansprache der Schülervertreterin Inga Jahn, die für ein ironisches Easy-going im Schulalltag plädierte. Untermalt wurde die Veranstaltung mit musikalischen Beiträgen von Schülern des FEG. Den Abschluss bildeten Tanzeinlagen der neuformierten Musicaltruppe, die am 4. Juli die Musical-Revue „50 Jahre FEG“ im katholischen Gemeindezentrum St. Markus aufführen wird.

 

Am 23. Juli findet sich die gesamte Schulgemeinde beim Schulfest nochmals unter dem Motto „50 Jahre FEG“ zusammen. Die Feierlichkeiten werden aber erst am 21. November mit der traditionellen „Förderstunde“ im Schanz, u.a. mit einem Auftritt des Lehrerkabaretts, abgeschlossen.

 

(Autor: Joachim Haberer)